Aktuelle Publikation: Das Adressbuch des Kreises Schlawe 1928

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Aus der Vergangenheit:

 

 

Elisabeth Kühl geb. Krockow: Briefe aus alten Zeiten

Als Tochter des Superintendenten zu Abtshagen und Körlin Karl Krockow (1809-1892) wurde Elisabeth Kühl geb. Krockow im Jahre 1840 in Körlin geboren. Sie wurde als Heimatliteratin und Familienchronistin gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Kreis Schlawe bekannt. Neben veröffentlichter Gedichtsammlungen hinterließ sie der Nachwelt ein lebendiges Bild des Lebens ihrer Eltern und Großeltern, unserer Vorfahren. Im Jahr 1931 verstarb sie im 92. Lebensjahr in Greifenberg, Pommern.

 

Elisabeth Kühl geb. Krockow 1840- 1931

 

Karls Studienzeit

Wie würde man vor 70 Jahren gestaunt haben, wenn jemand behauptet hätte, dass man bald in weniger als 24 Stunden von Köslin nach Königsberg in Preußen würde gelangen könne; ja sogar bis an die viel entferntere Westgrenze des Deutschen Reiches! Damals brauchte man mit Kurierpferden vier- bis fünfmal so lange; und der gewöhnliche sterbliche, der darauf angewiesen war, die zweimal in der Woche gehende Post zu benutzen, kam erst in einer Woche nach Königsberg. Dabei tat er noch gut, seine Glieder vorher zu versichern, denn in den federlosen Postwagen wurde er auf den schlechten Wegen grausam zerstoßen und manchem Reisenden wurden die Glieder zerbrochen, ehe er an das Ziel kam. Wenn wir uns dieses vergegenwärtigen, müssen wir bewundern, dass die studierende Jugend damals den beschwerlichen Weg nicht scheute. Königsberg war eine von Pommern sehr besuchte Universität. Wir müssen gestehen, dass man heute weniger tatkräftig und weniger geneigt ist, für ideale Zwecke solche Opfer zu bringen, wie damals.

Unter den Jünglingen, die im Herbst 1830 nach Königsberg gingen, um Theologie zu studieren, war auch jener, den wir vor 7 Jahren als den Zanow’schen Karl kennen gelernt haben. Aus dem Knaben war ein stattlicher junger Mann geworden, dessen vergeistigte Züge von Entbehrungen, aber auch von ungebrochener Willenskraft zeugten. Er hatte gedarbt und gestrebt, aber er hatte auch erreicht, was er wollte. Er war in diesen 7 Jahren - außer in den Ferien - immer schon um 4 Uhr aufgestanden, im Sommer noch früher, um in der Frühe seine Schularbeiten zu machen und die Zeit nach der Schule zu gewinnen, um Privatunterricht zu geben und so die Mittel zu seinem Lebensunterhalt zu erwerben. Er war als erster mit einem vorzüglichen Zeugnis der Reife vom Gymnasium entlassen worden und bezog nun mit den 80 Talern, die er sich durch Stundengeben erworben hatte, die Universität.

Er hatte das große Glück, in der Familie der ältesten Tochter Wilhelmine aus dem Abtshagener Pfarrhause aufgenommen zu werden und übernahm gern die Verpflichtungen, in der Anstalt zu unterrichten, der Frau Wilhelmines Mann vorstand.

 

Karl und Pinchen.

Der Zanow’sche Karl hatte am Schlusse seines 6. Semesters sogleich in Königsberg sein erstes theologisches Examen gemacht und gut bestanden. Nun war der alte Pfarrherr in Abtshagen auf den Vorschlag seiner Frau eingegangen, den jungen Mann als Adjunktus in das Haus zu nehmen.

Noch heute wurde er erwartet. Und er kam - freundlich begrüßt von allen, selbst von Tante Hannchen, deren besonderer Liebling er freilich immer gewesen war. Nur einmal war er in der Studienzeit in Abtshagen gewesen und hatte Pinchen gesehen. Der hatte sein Herz gehört von jener Zeit her, da er sie zum ersten Mal gesehen hatte. Und jetzt sollte er in demselben Haus mit ihr leben und ihr liebes Gesicht immer sehen. Unendlich dankbar war er da dem lieben Gott und Pinchens gütiger Mutter, die es so gefügt hatte. Und doch bei allem war es ihm zu schwer, mit der geliebten unter einem Dach zu leben und dabei seinem Grundsatz treu zu bleiben, ihr nicht von Liebe zu sagen, solange er ihr noch nichts zu bieten hatte. Schrecklich war die Ungewissheit, ob seine Hoffnung auf Gegenliebe ihn nicht etwa täusche. So benutzte er am selben Abend einen Augenblick, als sie im Garten allein waren, um ihr zu sagen, dass er nur unter der Bedingung bleiben könnte, wenn sie ihn lieb hätte und bat sie, über sein Bleiben oder Gehen zu bestimmen.

Pinchen bestimmte allerdings nichts, sie sprach auch nicht von Liebe, sie sagte nur hastig:“ Ich werde Mutter fragen“ und lief eilig davon. Wie unlogisch war das und wie wunderlich war das von dem jungen Manne, dass er das gar nicht unvernünftig fand, sondern ihr freudig nachblickte.

Als er nach längerem Zögern wagte, in das Zimmer zu treten, begrüßte ihn Frau Philippine als ihren lieben Sohn. Aber niemand sollte davon wissen, so hatte der Vater Backe bestimmt; auch er selbst, der Vater, wollte nichts wissen. „ Nun, wenn Ihr bei mir seid, dürft Ihr Euch „Du“ nennen,“ sagte die Mutter gütig, „ich will es niemand verraten und mich nur mit Euch freuen.“

Dankbar empfand Karl diese Güte. Er, der noch nie eine Hand geküsst hatte, beugte sich auf die Hand der verehrten und geliebten Mutter und drückte einen heißen Kuss darauf.

Und die Liebe machte ihn demütig; denn bisher war er stolz gewesen. Was er war, war er durch sich selbst und das hatte ihm ein starkes Selbstgefühl gegeben. Nun wurde das alles anders.

Als 2 Jahre dahingegangen waren, als der alte Vater Backe sein müdes Haupt zur letzten Ruhe niedergelegt hatte und Karl in einer kleinen Stadt - Körlin - eine Pfarrstelle erhielt und sich öffentlich mit Pinchen verlobte, fühlte er sich doch sehr einsam allein in dem großen Pfarrhaus. Endlich war die Hochzeit und die liebe Frau kam ins Haus, da wurde alles plötzlich behaglich und traulich. Überall schaffte sie und was sie tat, war wohlgetan. Das glückliche Ehepaar hatte alles gemein, keins verbarg einen Gedanken vor dem anderen.

So wurden die beiden lieben Menschen alt in allem Frieden. Sie brauchten sich nie zu versöhnen, weil sie sich nie entzweit hatten. So feierten sie ihre goldene Hochzeit und als die geliebte Frau auf dem Sterbebette lag und nicht mehr in ihrer freundlichen Art Liebe erweisen konnte, wie sie das ihr Leben lang getan hatte, da tröstete ihn der Gedanke, dass er , solange er sie hatte, immer nur gestrebt hatte, sie zu erfreuen und zu beglücken. „Sie war doch eine glückliche Frau“, so sagte er noch unter Tränen.

 

Aus: Müller-Moderow, Die Geistlichen in Pommern.

Synode Körlin:

Karl Friedrich August Krockow

1851-86, des Jakob, Syndikus in Köslin Sohn, 30.März 1809 geboren, besuchte das Gymnasium in Körlin und die Universität in Königsberg, unterstützte seit 1832 den Pastor Backe in Abtshagen in seinem Amt und blieb nach dessen am15.Nov.1831 erfolgten Tod während des Gnadenjahres auf der Pfarre, wurde Mich.1835 als Rektor in Körlin angestellt, am 15.Dez.1835 als Diakonus ordiniert und am 13. März1836 als solcher eingeführt. Seine Einführung im hiesigen Amt erfolgte am 26.Okt.1851, nachdem er am 22.Okt. vociert worden war. Am 15.Dez.1885 feierte er sein 50jähriges Amtsjubiläum. Am 1.April1886 trat er in den Ruhestand. Gest. 13.Juli1892.

Philippine Wilhelmine Joachime Adam, des Friedrich Heinrich Pastors zu Schlawin und der Wilhelmine Backe Tochter, kop. 5.Jan.1836.

 

 to be continued ...

 

 

 

 

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