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Gerhard Lange: Die Apotheke in Schlawe vor 250 Jahren privilegiert
Der Heimatforscher Gerhard Lange widmete 1959 seiner Heimatstadt einen Artikel über die Apotheker- und Apotheken-Tradition in Schlawe.
Das älteste, überlieferte Apotheker-Privileg von Schlawe ist datiert vom 18. März 1709, es wurde in Cölln an der Spree vom König Friedrich unterzeichnet. Nach "voriger Gewohnheit" sollte der Apotheker berechtigt sein, Arzeneien, Gewürz und Materialien feil zu halten. Nach "voriger Gewohnheit" heißt doch so viel, dass es schon vorher in Schlawe einen oder einige privilegierte Apotheker gegeben haben muss. Die Privilegien sind uns nur nicht mehr bekannt. Dass vor dem Jahre 1709 Apotheker in Schlawe ansässig gewesen sind, wird durch das älteste Kirchenbuch der St.-Marien-Kirche in Schlawe bewiesen, es waren:
Melchert Richardi junior von 1620 bis 1657, Friedrich Blieseke von 1634 bis mindestens 1657, Johann Wolfgang Reuter von 1659 bis mindestens 1665 und Johann Georg Schramm von 1690 bis mindestens 1709.
Ob schon vorher Apotheker in Schlawe ansässig waren, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Im Pestjahr 1450 wird von einem Arzte in Schlawe berichtet, ferner gab es im Depositum der Stadt Schlawe im Staatsarchiv in Stettin eine Akte .Bestallung eines Stadtarztes und Wundarztes" 1554-1627. Nachrichten über Ärzte und Apotheker treten zuweilen gleichzeitig auf, in Schlawe leider nicht Wahrscheinlich hat die Pest, die nach zuverlässigen Quellen in Schlawe in den Jahren 1602, 1624/25 und 1637/38 herrschte, den Rat der Stadt dazu veranlasst, einen Apotheker in Schlawe ansässig zu machen. Aus dem Privileg von 1709 erfahren wir, dass der Apotheker Johann Georg Schramm auf, "vielfältiges Anhalten" des Bürgermeisters und Rates im Jahre 1690 in Schlawe mit eigenen Mitteln eine Apotheke eingerichtet hatte. Der Handel mit Arzneien allein hatte aber nur geringe Erträge erbracht. Schramm hatte sich daher im Jahre 1708 an den König gewandt mit der Bitte, ihm ein Privileg zu gewähren, nach welchem ihm auch der Handel mit Gewürzen und Materialien "nach voriger Gewohnheit" gestattet sein sollte. Gewürz- und Materialhandel waren damals eine strittige Angelegenheit!
Was man sich damals unter "Materialien" vorstellte, ist uns heute nicht mehr geläufig; es war wohl auch damals ein sehr dehnbarer Begriff' - Vom Verkauf von Arzneien allein konnte damals in Schlawe, einem Städtchen von etwa 700 Einwohnern, ein Apotheker nicht leben. Da aber Wert auf die Anwesenheit eines Apothekers gelegt wurde, wird man ihm wohl aus wirtschaftlichen Gründen den Verkauf von Gewürzen und Materialien haben einräumen müssen. Die Stolper Apotheker legten Anfang des 17. Jahrhunderts den Begriff Materialien so weit aus, dass auch Wolltuche darunter verstanden werden sollten. Die Apotheker wurden dort auf Anordnung des Herzogs in die Gewandschneiderzunft aufgenommen, eine Zunft, deren Mitglieder allein berechtigt waren, Wolltuche zu importieren und zu verhandeln. Frühere Forschungen haben ergeben, dass auch die Apotheker in Schlawe Mitglieder der Schlawer Gewandschneiderzunft waren.
Der Handel mit Gewürzen war, wie es in dem Privileg von 1709 heißt, "nach voriger Gewohnheit" Vorrecht der Apotheker. Ausländischen und eingesessenen Männern wurde das Recht "Gewürze auf den Jahrmärkten feilzuhalten, untersagt. Die Bürger durften sich in der Zeit zwischen den Jahrmärkten ihre Gewürze nicht aus Danzig kommen lassen. Auch den anderen Apothekern im Herzogtum Pommern war der Gewürzhandel im Privileg gestattet worden.
Schramm erhielt das beantragte Privileg. Seitdem verstummten die Klagen aus der Apotheke.
Dann erfahren wir erst wieder von der Schlawer Apotheke am 23. Januar 1798. Der Apotheker Ludwig Wilhelm Honrich hatte damals die Apotheke gekauft und suchte beim König um Erneuerung des Privilegs nach. Auch seinem Antrage wurde entsprochen.
In den Jahren von 1709 bis 1798 hatte sich die Einwohnerzahl von Schlawe von 700 auf etwa 1650 erhöht. - Honrich allein durfte nach dem Wortlaut des Privilegs in seiner Apotheke "fremde Arzeney, Balsam, destillierte Wässer, Extracte und Gewürze, Medicamente und Compositorien" verkaufen. - Die Apotheke sollte von jeglicher Einquartierung verschont werden. Wie lange Honrich Besitzer der Apotheke gewesen ist, lässt sich nicht mehr nachweisen, auch seine Nachfolger sind nicht bekannt.
In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts war Apotheker Pufahl lange Zeit Besitzer der Apotheke. Er übergab sie etwa im Jahre 1878 seinem Schwiegersohn Hugo Müller, der sie etwa 40 Jahre innehatte. Apotheker Brose jetzt in Eldena bei Greifswald) hat in seinem Betriebe gearbeitet. Weitere Nachrichten über diese Zeit sind leider nicht mehr zu erhalten. Etwa im Jahre 1918 erwarb Apotheker Raatz die Apotheke von Müller. Bei ihm waren Anfang der dreißiger Jahre tätig die Herren Heisler - jetzt Dargun - und Magdalinski - jetzt Tomesch -. Letzterer erwarb die Apotheke am 1.4.1934 und hatte sie bis zur Vertreibung im März 1945 inne.
Von einem Apothekengebäude, welches früher mitten auf dem Markt gestanden haben soll, angelehnt an das alte Rathaus, wird erzählt. Das alte Rathaus wurde etwa im Jahre 1755 abgebrochen, weil es von der russischen Besatzung der Stadt demoliert worden war und einzufallen drohte. Wann das Apothekengebäude, welches allen Schlawem bekannt war, erbaut wurde, ist nicht bekannt, sicherlich um das Jahr 1700; wahrscheinlich haben zwei kleinere Markthäuser diesem wohlhabenden Gebäude Platz gemacht. Nur die Keller dieser alten Häuser blieben bestehen, weil sie sehr fest und mit gewölbten Decken aus alten Klostersteinen erbaut waren; sie trugen das neue, schöne Gebäude, welches im März 1945 - wieder von Russen - zerstört wurde.
Von den einzelnen Apothekern sind folgende fainilienkundliche Nachrichten überliefert: Friedrich Blieseke: genannt als Pate 1634-1654. Aufnahme in die Brauerzunft am 13.11.1654. Er war verheiratet mit Margarete Salemann, welche einer ratsfähigen Familie entstammte. Seine Tochter Elisabeth wird 1689 als Patin genannt. Blieseke starb am 24.10.1657.
Ludwig Wilhelm Honrich erhielt am. 23.1.1798 das Privileg. Der nicht häufige Name tritt auf in folgender Nachricht: Henriette Carioline Honreich, Tochter des Kaufmann H. aus Danzig, heiratete am 29.4.1783 den Pastor Georg Christian Woldermann der ein Jahr Kantor in Schlawe, dann 1789 -1796 Pastor in Darnerow war. W. war ein Sohn des Bürgermeisters Woldermann in Wollin. Es ist durchaus möglich, dass Ludwig Wilhelm H. ein Sohn des Danziger Kaufmanns war.
Rüdiger Magdalinski., geb. 27.9.1898, jetzt Apothekenbesitzer in Tomesch/Holstein. Privatanschrift: Pinneberg-Quellental, Großer Reitweg 55. M. betreibt großzügig angelegte Familienforschung.
Hugo Müller, geh. 28.3.1843 in Bärwalde. Sein Vater und sein Großvater waren dort Apothekenbesitzer. Absolvierte das Gymnasium in Neustettin, studierte in Berlin und Breslau, pharinazeutische Prüfung 1872 in Breslau, ab 9.8.1875 Provisor in Schlawe. Vom 1.4.1878 an ist M. Besitzer der Apotheke in Schlawe, heiratet eine Tochter seines Vorgängers, des Apothekers Pufahl 1879 Magistratsmitglied, bis 1897 in städtischen Ämtern tätig. Pufahl: Apothekenbesitzer in Schlawe von 1843 (?) bis 31.3.1878. Sein Schwiegersohn Hugo Müller erhielt von ihm am 1.4.1878 die Apotheke. P. war 1864 Mitbegründer des Vorschussvereins; stiftete am 31.10.1841 zur Thomasstiftung 5 Taler. Seinen Garten gab er 1876 zum Neubau des Gymnasiums ab.
Wolfgang Josua Reuter: Apotheker und Senator in Schlawe; er wurde am 7.3.1628 geboren und starb nach 1674. Seine Frau Anna war die Tochter des Kämmerers und Schulrektors Paul Verwiebe in Schlawe. Bekannt sind 5 Kinder. Nach den Lassahn- Spruth'schen pommerschen Ahnentafeln waren seine Vorfahren etwa ab 1570 Apotheker in Köslin. Ausführliche Darstellung der Familie Reuter, über 6 Generationen reichend beim Verfasser.
Melcher Richardi der Jüngere, wahrscheinlich der Sohn Melcher Richardi des Älteren in Schlawe; Apotheker und Brauer in Schlawe; er wurde Martini 1630 in die Brauerzunft aufgenommen und starb am 17.5.1853, R. war zweimal verheiratet; von der ersten Frau, Else Leist, wurden ihm zwei Kinder geboren: Elsula, getauft am 16.10.1621, und Martin getauft am 10. 1 1.1625. Seine zweite Frau war Anna Ladewig. Weitere Richardi sind zusammengefasst in den Lassahn-Spruth'schen Ahnentafeln. Neuere Forschungen werden vom Verfasser betrieben. Es besteht eine Ahnengemeinschaft der Apothekerfamilien Richardi und Reuter.
Johann Georg Schramm: Apotheker 1690. Mitglied der Brauerzunft seit 28.3.1696, wahrscheinlich Sohn des a.a.0. 1657 genannten Joachim Schramm, Ratsherr, Ratsverweser, Provisor templi 1708, zuletzt genannt 1709. Verheiratet mit Regina Zülke (Zielke) genannt 1692-1709. Seine Tochter Margareta Regina wurde 1694 getauft. - In der Brauerrolle sind nach ihm bis 1820 drei weitere Schramm als Mitglieder der Zunft aufgeführt: wahrscheinlich seine Nachkommen. Weitere Namensträger sind in der Lassahn-Spruth'schen Sammlung aufgeführt, ohne dass die Verwandtschaft mit Johann Georg nachgewiesen ist.
Quelle: Deutsche Apotheker-Zeitung, 99.Jahrgang 1959, Nr. 52, S. 1336-1337
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